Kalkuliert der Dolmetscher sein Honorar, so geht er von einer vollen Auslastung aus. Das ist aber immer nur in der Theorie der Fall.
Gerade Anfänger im Beruf können nicht zu einhundert Prozent ausgelastet sein. Haben sie sich also einen Stundensatz von 50 Euro errechnet, den sie einnehmen müssten, so wird dieser die Kosten nicht decken.
Sie haben meist mit einem höheren Anteil an unproduktiven Zeiten zu kämpfen. Das sind Zeiten, in denen sie kein Geld erwirtschaften und die auch keinem Kunden in Rechnung gestellt werden können. Das ist immer dann der Fall, wenn der Dolmetscher sozusagen Leerlauf hat, wenn er sich mit der Kundenakquise oder der Werbung für sein Unternehmen befassen muss. Das Problem der unproduktiven Zeiten kennen aber auch Dolmetscher, die schon lange in ihrem Beruf tätig und sehr erfolgreich sind.
Sie können auf eine Auslastung von mehr als einhundert Prozent blicken und sind daher nicht in der Lage, alle Arbeiten selbst zu erledigen. Sie arbeiten vielleicht mit anderen freien Dolmetschern zusammen und müssen Aufgaben delegieren.
Diese Zeiten, die mit dem Management von Projekten verbracht werden, sind ebenfalls unproduktiv. Das bedeutet wiederum, die eingangs erwähnten 50 Euro sind das Minimum, was der Dolmetscher einnehmen muss, im Grunde genommen muss er noch weitaus mehr Geld in Rechnung stellen um alle Zeiten und Kosten zu decken.
Für den Berufsanfänger ergibt sich hier aber die Schwierigkeit, dass er keine zu hohen Forderungen stellen darf, denn er kann noch keine ausreichenden Referenzen nachweisen.
Gute Qualität zahlt sich aus
Kunden sind gern bereit, für gute Qualität mehr zu bezahlen, aber sie müssen zumindest die Aussicht haben, dass es sich lohnt. Daher auch der Ratschlag, dass bei nicht ausreichenden eigenen Mitteln ein Kredit bei der Gründung des eigenen Unternehmens aufgenommen werden sollte, der zumindest über das erste halbe Jahr finanziell hinweg helfen kann.
Viele Auftraggeber können mit einem Stundensatz nicht einmal etwas anfangen. Sie haben eine bestimmte Menge Text, die es zu übersetzen gilt, und wollen wissen, was das kosten wird. Sie wissen nicht, dass für jede Übersetzung ein gewisses Maß an Vor- und Nachbereitung nötig wird und wollen den Preis am besten pro Zeile aufgeschlüsselt bekommen.
Jeder Dolmetscher sollte in der Lage sein, seinen Kunden auf diesem Wege ein Stück entgegen zu gehen, auch wenn die Berechnung in Stunden oder Tagen einfacher wäre. Allerdings muss bei der Preisfindung auch berücksichtigt werden, wenn es Faktoren gibt, die den Preis in die Höhe treiben. Komplizierte Formulierungen oder Fertigstellung des Textes in einem bestimmten Format sind Beispiele dafür.
Auch kann es sein, dass ein Werbetext weitaus schwieriger zu übersetzen ist und mehr Zeit in Anspruch nimmt, als würde ein ganzer Absatz eines belletristischen Romans übersetzt werden.
